Frühjahrsputz „Wir räumen auf für Rudolstadt“

Seit 2011 ziehen sie im Frühjahr durch ihre Stadt: die Frühjahrsputzer. Kindergärten, Schulklassen, Vereine, Jugend- und Freiwillige Feuerwehr, Fischfreunde, Nachbarschaften, Firmen, Stadtverwaltung, Wandervereine, Bürgerinnen und Bürger – unzählige Menschen bringen ihre Stadt auf Hochglanz, sammeln Müll, fegen den Winter aus der Stadt bei der durch „Rudolstadt blüht auf“ ins Leben gerufenen Putzwoche.

Wie einfach ist es, nach „der Stadt“ zu rufen, wenn ein Papierchen auf der Straße oder in einem Beet liegt. Und wie schwer ist es, sich selbst zu bücken und es schnell aufzuheben!
Die Putzwoche durchbricht diesen Mechanismus und tut noch mehr: Menschen gehen hinaus und sammeln systematisch den Müll, den andere dort hingeworfen haben. Ohne sich um einen Verursacher zu scheren. Einfach, weil sie es wichtig finden. Sie zeigen damit Verantwortung für ihre Stadt und ihre Umgebung. Die verschiedensten Gruppen von Kindern und Erwachsenen schwärmen aus und bringen ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes „in Ordnung“, befreien öffentliche Flächen, Spielplätze, Parks, Gebüsche, Straßen, Vorplätze unbewohnter Häuser und Baumscheiben von Unrat und Streugut.
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung verlassen zur Putzwoche ihre Arbeitsplätze und strömen aus dem Rathaus ins gesamte Stadtgebiet. Es wird geputzt, gepflanzt, Zäune werden gestrichen, Wege von Unkraut und Streumitteln befreit.
Kindergärten und Schulen können die Aktion mit einer Projektwoche zum Thema Müll verbinden, für Belegschaften ist eine sinnstiftende Teambildungsmaßnahme.
Den Container stellte in den ersten Jahren das örtliche Entsorgungsunternehmen Städtereinigung Rudolf Ernst kostenfrei zur Verfügung, seit einigen Jahren finanziert ihn die Stadt Rudolstadt. Während der Putzwoche fahren Mitstreiter von Rudolstadt blüht auf die Strecken ab, nehmen die Müllsäcke mit und fahren sie zum Container. Der Bauhof kümmert sich um die überzähligen „Schätze“.

Zielsetzung ist es

  • Verantwortung zu übernehmen für die Ordnung in der Stadt,

  • nach der Erfahrung des Müllsammelns mit mehr Wertschätzung mit den öffentlichen Räumen umzugehen,

  • zu erfahren was es für andere bedeutet, wenn man Müll einfach wegwirft.

Die Aktion bietet drei Alternativen an, tätig zu werden:

  1. Jeder Einzelne ist aufgerufen, an diesen Tagen vor seinem eigenen Haus und Hof besonders gründlich und umfassend zu putzen, dort, wo er/sie es sonst auch tut, und zusätzlich Baumscheiben, Grünflächen und ungepflegte Nachbargrundstücke mit einzubeziehen.

  2. Die Menschen sind aufgerufen, sich in Gruppen zusammenzufinden und ein Areal ihrer Wahl zu putzen. Mit dem Verein, den Kolleginnen und Kollegen, Nachbarn, der Familie, Kindergartenfreunden und Schulkameraden eine Stelle zu bearbeiten, die ihnen am Herzen liegt oder dringend Pflege benötigt. Eine vorherige Anmeldung von Aktion und Ort bei Rudolstadt blüht auf stellt sicher, dass jede Gruppe an anderen Orten sammelt und der Müll am Ende abgeholt wird.

  3. Von Seiten von „Rudolstadt blüht auf“ werden jedes Jahr einige Aktionsplätze ausgewählt, an denen sich „Einzeltäter“ zur gemeinsamen Arbeit mit anderen einfinden können.

Darüber hinaus finden sich über das Jahr verteilt immer wieder Gruppen zu Aufräum- und Pflegeaktivitäten zusammen. Meist bemerken wir ihre Arbeit nur durch plötzlich in Ordnung gebrachte Flächen - sie selbst aber bleiben unbemerkt wie Heinzelmännchen und –frauen. So bleibt uns nur, ihnen an dieser Stelle einen lieben Dank zuzurufen!

Die nächste Putzwoche:
Termine und Orte siehe Veranstaltungskalender „Rudolstadt blüht auf“

Das schönste Fazit zog Frau Dr. Helga Franz, unermüdliche Streiterin bei Rudolstadt blüht auf, in ihrer unnachahmlichen Art und knüpft damit einmal mehr an die großen Humoristen unserer Stadt an:

Gefunden
(Nicht erfunden, am Putzsamstag 12. April 2014)

von Dr. Helga Franz

(Nicht zu verwechseln mit dem Gedicht "Gefunden" von Johann Wolfgang von Goethe "Ich ging imWalde so für mich hin...")

Hinter den Gärten der "Großen Wiese":
Ein altes Hemd, sicher von einer Luise,
Ein Eimer voll mit Beton,
alte Pappe von einem Karton.

Ein Tiegel mit zerbrochenem Henkel,
Ein Paar Turnschuhe ohne Senkel,
Topf hässlich - aber ein neuer Topf,
Zwei leere Sektflaschen ohne Pfropf,

Ein grüner Blumenkasten, zerbrochen,
Aus einer Tüte kam eine Blindschleiche gekrochen,
Eine ALDI-Tüte war mit Unkraut gefüllt.
Silberfolien waren zu Kugeln geknüllt.

Tüten braun mit Hundekot,
Frühstückstüten ohne Brot,
Eine Drahtmatratze von einem Sessel,
Lederbänder wohl als Fessel,

Regennasses Tempotuch,
Lose Seiten, einstmals Buch,
Eines Trunki 's Taschenflasche,
Henkel einer Einkaufstasche,

Das Ende der Verlängerungsschnur,
Wieder Taschentücher pur,
Ein Kanister, Öl gefüllt,
Plasteplane eingemüllt,

Ein Glas Leberwurst, das leer,
Bretterstücke voller Teer,
Eine blechbeschlag'ne Taste,
Neben einer Tüte Plaste,

Eisenstangen unter Gras,
Fenster mit kaputtem Glas
Und ein Mann stand da am Rande,
Der nicht einen Täter kannte.

Wenn er seinen Kaffee nippt,
Sei das Zeug schon abgekippt.
Ihn kann man doch hier nicht schelten,
Sollten es dem Vorstand melden.

Berichte der bisherigen Putzaktionen:

Projektdaten

Initiator: Arbeitskreis „Rudolstadt blüht auf“

Orte: wechselnd

Status: seit 2011, jährlich

Termin: jährlich eine Woche lang im März/April

Hauptbeteiligte

  • Arbeitskreis „Rudolstadt blüht auf“

  • Stadt Rudolstadt

  • Heimatverein Preilipp e.V.

  • Quartiersmanagement Kopernikusweg

  • Elke Träuptmann und „Wir säen Zukunft für Schwarza“

  • André Kranert und die Angler der Pachtgemeinschaft Saalebogen e.V.

  • Bürgerinnen und Bürger Rudolstadts und Gäste

  • Kindergärten, Schulen, Vereine, Firmen, Institutionen

  • und viele mehr

Erst Ordnung schaffen, dann Neues pflanzen!
Immer wieder geäußerter Wunsch der Rudolstädter in den verschiedensten Diskussionen 2011